J.R.R. Tolkien

Sprache, Liebe und Katholizismus sind die Säulen, auf denen die größte mythologische Schöpfung der modernen Literatur ruht. Die Dualität von Gut und Böse ist der weltanschauliche Hintergrund Tolkiens, die Liebe zu Frau und Kindern ist seine Inspiration. Sein Meer sind die Sprachen, worin Mythen wie Kontinente aufscheinen.

J.R.R.Tolkien wurde 1892 geboren

J.R.R.Tolkien wurde 1892 geboren

John Ronald Reuel Tolkien, geboren 1892, als ältester Sohn einer Engländerin und eines Bankmanagers niedersächsischer Herkunft, verbringt seine ersten Lebensjahre in Südafrika, die frühe Schulzeit in einem ländlichen Teil Englands, den Rest seiner Schul- und Studienzeit in städtischer Umgebung. John und sein Bruder wachsen in römisch-katholischem Umfeld auf. Von der Mutter lernt der Junge bereits früh etwas Deutsch, Französisch sowie Latein. In der Schule kommt Griechisch hinzu; durch einen engagierten Lehrer gewinnt er Einblicke ins Mittelenglische. Im Wohnumfeld hört er Walisisch. Die idyllische, von der Industrialisierung noch unberührte, Umgebung wird dem zukünftigen Professor für englische Sprache als Vorbild des Auenlandes dienen.
Nach dem Tod der Mutter – John ist zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt – nimmt sich ein katholischer Pfarrer der Brüder an. Aufmerksam geworden auf den sprachlich interessierten Schüler, vermittelt ihm ein Lehrer die Grundzüge des Altenglischen, während der Schulrektor ihn erstmals mit Philologie in Berührung bringt. Als Jugendlicher liest er altenglische und mittelenglische Dichtungen, um sich schließlich dem Altnordischen zuzuwenden.

Fasziniert durch sprachliche Gesetzmäßigkeiten, wird Tolkien selbst Sprachen erfinden. Zunächst jedoch studiert er in Oxford: Gelangweilt von den klassischen Sprachen Latein und Griechisch, wendet er sich letztlich dem Fach Englische Sprache und Literatur zu. Insbesondere interessieren ihn Finnisch und Walisisch. Sein Projekt, aus dem Gotischen eine eigene Sprache zu kreieren, gibt er zu Gunsten des Finnischen auf. Als Tolkien 1913 die religiöse, altenglische Dichtung Cynewulfs liest, berühren ihn Klang und Sinn einiger Zeilen dermaßen, dass sie zur Anregung seines eigenen Werkes werden. Die tausendjährigen Worte „Earendel“ und „Mittelerde“ („ middangeard“), werden zu Eckpfeilern in Tolkiens eigener Mythologie. Im Jahr 1914 schreibt er mit „Voyage of Earendel the Evening Star“ ein Gedicht, das im Kern bereits Grundzüge der Ideen um Mittelerde, Eldar und Valar enthält. Von einem Freund zur Bedeutung des Gedichtes befragt, antwortet der Autor, er würde sie zu ergründen versuchen: Tolkien ist ewiger Entdecker – er bereist einen linguistischen Ozean, um darin Inseln der Bedeutung zu finden.

Nachdem er sein Studium beendet hat, nimmt Tolkien als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Dort erlebte Grausamkeiten, vor allem der Verlust seiner Studienfreunde, lösen unmittelbar literarischen Schaffensdrang aus. Der Autor wendet sich seinem Hauptwerk zu, der Saga um die Schöpfung einer Welt. Bereits in diesen frühen Entwürfen benutzt er die Eldar-Sprachen – neben Quenya, das auf dem Finnischen basiert, auch Sindarin, das er aus dem Walisischen geschaffen hat. Berührende, sehr private Momente fließen häufig in Tolkiens Schriften ein. Ohne seine Kinder etwa, für die er sich Geschichten ausdenkt, wären „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ nie entstanden.
Als Tolkien 1945 Professor für Anglistik wird, lebt er bereits seit einigen Jahren in einem universitär-literarischen Umfeld Oxfords, das ihm nicht nur Anregung ist, sondern auch einen Verleger für „Der Hobbit“ vermittelt. Nach einigen Auseinandersetzungen – es geht um Kürzungen, die der Autor verweigert – erscheint „Der Herr der Ringe“ als Trilogie. Seinen Ruhestand widmet Tolkien dem „Silmarillion“, das jedoch unvollendet bleibt, als der Autor 1973 stirbt. Auf dem Jordan Hill Cemetery in Oxford befindet sich die Grabstätte der Eheleute. An Tolkiens inspirierende Liebe zu seiner Frau erinnern die Gravuren der Grabsteine: Lúthien und Beren.

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